Was man auf der Art Basel sieht, unterscheidet sich zunächst von allen Erfahrungen, die man von einem typischen Gang durchs Museum oder auch dem Besuch einer Galerie her kennt. Das Gedränge der Menschen, Fressbuden, Getränkestände, all das ähnelt eher einem Jahrmarkt. Wie tief diese normative Logik selbst in den offensichtlichsten Verwertungszusammenhängen einer Kunstmesse das Selbstverständnis und Handeln der Beteiligten prägt, ist hier gut zu beobachten. Zwischen permanenter Euphemisierung und punktueller Skandalisierung des Marktgeschehens entsteht auf der Art Basel, auch in diesem exklusiven Segment der Kunstwelt, eine ureigene Topographie der Werte, die jener Nähe oder Ferne zur Welt geschuldet ist.

Die umständliche Leugnung des ökonomischen Momentes im Geschäft, die persönlichen Beziehungen zu den Kunden, ihres Kunstverständnisses, überhaupt die Betonung der Qualität der Käufer als Sammler, die der Qualität des Werkes entsprechen muss, als durchaus pädagogische Note, lässt den geldförmigen Aspekt praktisch verschwinden. Eine Kundschaft, die keine sein will, der Käufer als Liebhaber mit seinen Passionen, fast wie in einem sehr teuren Bordell, dem sich die echten und die guten Sammler nur widerwillig aussetzen, häufig gar nicht persönlich anwesend sind und ihre Distanz zum Markt demonstrieren. Und schließlich die kunstinteressierten Besucher, das geduldige und geduldete Publikum, die den Marktcharakter dieser Veranstaltung, nebst hohen Eintrittspreisen gleichsam bestätigen. Auch wenn viele der für Eingeweihte marktgängigen Stücke dem Durchschnittspublikum eher unverständlich bleiben müssen, nur entzifferbar innerhalb eines hermetischen, eines exklusiven Deutungszusammenhangs, entsteht hier eine beindruckende Erfahrung, macht sich die Teilhabe an der Entfaltung jener Aura bezahlt, wie sie nur die Alchimie des Phänomens Kunst hervorbringen kann, wo der Kunstgenuss des Publikums nicht zuletzt ein Genuss des Spektakels ist.

Die Art Basel nimmt schon im Feld der Kunstmessen einen Platz ein, der zwar im Hinblick auf die angebotene Ware eine erstaunliche Legitimität beanspruchen kann, aber gegenüber gediegenen Messen ein Defizit aufweist, weil überall die Rolle des Geldes in seinen konkret wahrnehmbaren Erscheinungsformen zu stark hervortritt. Es sind nicht nur die allgegenwärtigen Bilder des gemeinsamen Auftritts von Kunst und Kapital, die riesigen Lettern einer internationalen Großbank, die vor zehn Jahren von der Schweiz, während der Finanzkrise vor der Pleite gerettet werden mußte, die Flotte schwarzer Limousinen, die soziale Exklusivität wie Weinausschank, Champagnerstände, Davidoff Lounge, VIP-Bereich, sondern auch, dass alles größer und teurer anmutet und anmuten soll, wie eine soziale Plastik aus Soll und Haben.

Das sich nun alles, vor allem, exklusiver gibt, ist dabei gar nicht der wesentliche Punkt. Entscheidend ist vielmehr der Umstand, dass all diese Phänomene gerade einen Verlust an Exklusivität bezeugen – der persönlichen Begehrlichkeiten entzogenen Exklusivität eines privaten Clubs, der begrenzten Stückzahlen und beschränkter Erwerbsmöglichkeiten, einer Exklusivität der am Verwertungsprozess von Kunst beteiligten gesellschaftlicher Kreise, der sozialen und der geographischen Räume, und, nicht zuletzt der entrückten Aura des gesamten sozialen Bildes, dass sich daraus notwendig ergibt. All das zeugt von einer Veralltäglichung und damit einer als Vulgarisierung empfundenen Diesseitigkeit, wo alle nur noch als Statisten in einem teuer erkauften Blockbuster namens »Art Basel« agieren und ein teures Bordell besuchen, statt einen billigen Puff.
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
Peter Vahlefeld, Art Basel Hong Kong
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